Bremst die Pharmaindustrie die Verblisterung?

…  Schon seit Jahren fordert die Blister-Branche vom Gesundheitsministerium neue Regelungen – doch das Ministerium blockt ab. „was!“-Recherchen zeigen: Dies geschieht mutmaßlich auch aus Rücksicht auf die Pharma-Industrie , die um ihre Umsätze fürchtet.

aus dem AOK-Medienservice März/2011:

Verblistern von Tabletten erhöht die Therapietreue – und spart Kosten

Modellprojekt der AOK Nordost15.03.11 (ams).

Nach wie vor stellt die Arzneimittelversorgung einen der größten Ausgabenblöcke in der gesetzlichen Krankenversicherung dar – auch, weil Medikamente falsch oder gar nicht eingenommen werden. Um dem entgegen zu wirken, hat die AOK Nordost 2009 ein Modellprojekt gestartet: Seitdem erhalten die Bewohner von 21 Berliner Pflege-heimen ihre Tabletten abgezählt und vorsortiert in sogenannten Blisterstreifen. Erste Zwischenergebnisse zeigen nun: Das Verblistern steigert die Arzneimittelsicherheit sowie die Therapietreue der Patienten und hilft, die Arzneimittelkosten zu senken.

Es ist ein Modellprojekt mit Zukunftscharakter, das die AOK Nordost gemeinsam mit der 7×4 Pharma GmbH gestartet hat: Denn insbesondere die medizinische Versorgung von Älteren, chronisch Kranken und multimorbiden Menschen wird angesichts des demo-grafischen Wandels von immer größerer Bedeutung sein. Nicht selten müssen diese Patientengruppen eine Vielzahl an Arzneimitteln einnehmen. Jedoch lässt die Compliance – die Therapietreue – der Patienten mit zunehmender Komplexität und Dauer der Arznei-mitteltherapie nach, wie Harald Möhlmann, Geschäftsführer Versorgungsmanagement der AOK Nordost, bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse erklärte. Denn vor allem bei Patienten, die auf sich allein gestellt sind, ist das Risiko hoch, dass diese vergessen, ihr Medikament einzunehmen, oder dass sie das Arzneimittel falsch einnehmen. 

Die Zahl nicht eingenommener Arzneimittel ist gesunken

Mit dem Berliner Modellprojekt beschreitet die AOK Nordost neue Wege in  der Arznei-mittelversorgung. Im Zuge dessen erhalten die rund 750  Bewohner der teilnehmenden Pflegeheime ihre Medikamente vorsortiert in  Durchdrückpackungen, sogenannte Blister, wie sie von Arzneimitteln aus  der Apotheke bekannt sind. Das Besondere hier ist: Die  Tablettenverpackungen aus Plastik werden für jeden der Bewohner  individuell hergestellt. Die Blister enthalten, entsprechend den  jeweiligen Verordnungen des Arztes, genau eine Wochenration der  verschriebenen Tabletten, aufgeteilt auf sieben Tage und für jeden Tag  auf die jeweiligen Einnahmezeitpunkte.  Wie eine Zwischenevaluation  belegt, konnte die Therapietreue dadurch gesteigert werden. Die Zahl der  abgerechneten Medikamente hat um gut zehn Prozent abgenommen, weil der „Verwurf“ – die Zahl nicht eingenommener Arzneimittel – gesenkt werden  konnte, wie Prof. Jens Leker von der Westfälischen Wilhelms-Universität  in Münster erklärte. Leker begleitet das Projekt wissenschaftlich und  wertet dieses für die AOK Nordost und 7×4 Pharma aus. Aus dem geringeren Ver-wurf ergebe sich eine Einsparung bei den Arzneimittelkosten von rund  20.000 Euro pro Jahr.

Zuspruch erhält der Ansatz nicht nur aus der  Wissenschaft, sondern auch von den Pflege-kräften in den beteiligten  Heimen. Wie eine Befragung im Rahmen der Evaluation er-geben hat,  befürworteten rund 70 Prozent des Pflegepersonals das Verblistern. Knapp 75 Prozent der Befragten gaben an, dass der Zeitaufwand für die  Medikation abgenommen habe. Entsprechend fühlten sich etwas mehr als 60  Prozent durch die Vorsortierung der Medikamente entlastet.

Noch  positivere Effekte als im stationären Pflegebereich erhofft sich  AOK-Experte Möhlmann von der Verblisterung für Patienten, die in ihren  eigenen vier Wänden leben. Anders als im Heim würden ältere Patienten in  der Regel dort nicht von Pflegern betreut. Dem entsprechend sind sie  allein für die richtige der Medikamenteneinnahme verant-wortlich. „Dabei  sind das oftmals diejenigen, die am stärksten auf die  Arzneimittel-therapie angewiesen sind“, so Möhlmann.

Ein Gedanke zu „Bremst die Pharmaindustrie die Verblisterung?

  1. Ich denke, man kann der Politik nur mit Zahlen aus dem Ausland aufwarten. Die Pharmaindustrie interessiert es am wenigsten. Das wissen wir! Wie sollen sie sonst ihre Produkte im Übermaß verkaufen. Aber die dumme Politik, denken wir an unser Schreiben an diese Ulla Schmidt, beschäftigt sich nicht mit Einsparungen und die KV’s sind das Übel aller Dinge. Ich glaube, der Apotheker heutzutage ist sehr abhängig – wie überall – sonst würden Apotheken nicht wie Kosmetiksalons aussehen bzw. wie in der Bessunger Apotheke lauter € 400,00 Kräfte beschäftigt sein, die unsere Sprache nicht sehr beherrschen (Eastblock) – ich meide diese Apotheke. Bei Frau Lange ist es angenehmer in der Moosbergapotheke.

    Jedoch, freut es mich, dass man wieder etwas lesen konnte. Unsere Politik ist leider verseucht mit Korruption und Lobbyismus.

    Liebe Grüße

    Ingrid

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