Verblisterung ist mehr als Tabletten stellen

Gerade der Wunsch nach Kosteneinsparungen auf der Heimseite führt dazu, dass Heimleiter die Ver­bliste­rung kostenfrei einfordern – und oft auch erhalten! Dabei wird verkannt, dass die Verblisterung eben nicht nur aus dem Zusammenstellen der Tabletten besteht, sondern lediglich der letzte, der sicht­­bare Schritt einer Vielzahl von Prozessen für die pharmazeutische Versorgung darstellen sollte. Denn der Heim-Apotheker hat durch seine Kenntnis aller Medikamente eines Bewohners die Möglich­keit, unterstützend bei Fragen um die Medikamentenversorgung (z.B. Dosis, Zeitpunkt, Kombi­na­tionen) einzugreifen. Dieses Therapie- und Interventionsmanagement wird interessan­terweise ganz aktuell wieder als notwendig und erfolgver­spre­chend bewertet[1]. Aus seiner Arbeit entsteht dem Apo­theker auch ein Vorteil: die extrem hohe Bindung des Patienten bzw. des Heimes an die Versorgungsapotheke, begründet auf deren Know-how.

Beim Thema „Vergütung“ ist der Heimversorgungsapotheker oft allein gelassen, will er diese geleistete Arbeit, die im Rahmen der Medikamentenversorgung mittels Blister notwendiger­weise anfällt, vergütet bekommen. Unterstützung seiner Standesorganisation sucht er dabei vergebens, wie erst jüngst wieder auf dem Wirtschaftsforum DAV 2010 (Berlin) und der BVKA Jahresversammlung 2010 (Bad Homburg) zu erfahren war. Ohne die Apotheker-eigene Unterstützung für die wertvolle Dienst­leis­tung einer Patienten-indi­vi­du­ellen Heimversorgung hatten es Krankenkassen und Heimträger bisher leicht, sich jeglicher Diskussion um eine nennenswerte Kostenbeteiligung zu entziehen.


[1] siehe Thomas Liesen: Servicezeit Gesundheit (WDR) – Sendung vom 31. Mai 2010: Medikamentensicherheit im Altenheim http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2010/0531/02_medikamentensicherheit_im_altenheim.jsp
 

Sicherheit und Akzeptanz

Heim- und Pflegedienst­-Leitungen von mit Blistern versorgten Heimen be­grüßen in hohem Ausmaße die zu­sätzliche Arzneimittel-Sicherheit und -Transparenz durch die Bereitstellung der Blister aus der Apotheke, wodurch ein nicht mehr weg­zudenkender Qualitätsfortschritt für die Arzneimittelversorgung von Alten- und Pfle­geheimen in Deutschland erzielt wurde. Im Ver­gleich zur Studie des LÖGD aus dem Jahre 2003 („Bei der Hälfte der unter­suchten Heime konnten in der Stich­probe keine Fehler bei den … gestellten Arz­neimitteln festgestellt wer­den.“) [1] werden indi­vi­du­elle Arzneimittelblister heute mit hoher Sicher­heit hergestellt: das manu­elle Stellen in der Apo­theke wird erfahrungsgemäß mit Fehler­raten von ca. 1% belegt, und mit­tels Automaten hergestellte Patien­ten-Blis­ter werden teilweise mit optischen Kon­trolleinheiten ge­prüft und können damit Feh­lerraten deutlich unter 0,1% erreichen.

Neben der Arzneimittelsicherheit hat gerade die außerordentliche geringe Fehlerrate („Irrtum ausge­schlossen!“) in Verbindung mit hohen Marketinganstrengungen der aufkommenden Blisterzentren die öffentliche Diskussion um die Verblisterung befeuert; zudem belegen erste quantitative Studien sehr deutlich, dass die Verblis­terung zur Quali­tätssteigerung als auch der unmittelbaren Personal­entlastung führt. Sicherlich ist es Aufgabe des Apothekers, die neue Arbeitsteilung mit dem Heim intensiv und wiederholt zu kommunizieren. Dann ist interessant, dass vor allem junge Pflegekräfte, die dem Blister zum ersten Male begegnen, diese Form der Arzneimittelversorgung nahezu einhellig be­grüßen – unabhängig davon, ob nun Schlauch­beutel oder Blisterkarten angeboten werden.

Zusammen mit den jahrelangen positiven Erfahrun­gen aus den „verblisterten“ Häusern fragen daher immer mehr Heime bei ihren aktuellen Heimversorgungsapotheken nach dem Blister. Teilweise wer­den sie dazu gedrängt, wenn z.B. der MDK die Verblisterung als Weg zur Erhöhung der Arznei­mittelsicherheit im Heim „empfiehlt“, oder die Finanzlage der Heime nach Kosteneinsparungen ver­langt.


[1] Sozialpharmazeutische Untersuchung der Amtsapothekerinnen und Amtsapotheker der Kreise und kreisfreien Städte in NRW in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (lögd): Bader, A.; auf dem Keller, S.; Puteanus, U.; Wessel, T.: Erhalten die Bewohner von Pflegeheimen vor Ort die richtigen Arzneimittel? Zur Qualität beim Stellen von Arzneimitteln in Pflegeheimen (2003) Gesundheitswesen 65, Heft 4, 236-242