Kosten beim Verblistern: Forderung nach Bezahlung?

Wie lange schon: Apotheker verweisen auf ihren Service ‚Verblisterung‘ und beanspruchen eine Ver­gütung für das Stellen und die aufgestellten Automaten – und auf der anderen Seite wird mit den Achseln gezuckt.

Bereits kurze Zeit nach der Einführung des Kartenblisters als erkennbaren Ausweis einer (da­mals so genannten) „Phar­ma­zeuti­schen Betreuung“ verselbständigte sich die Funktion des Blis­ters auf das simple Ersetzen des ‚Stellens im Heim‘ durch das ‚Stellen in der Apotheke‘ – heute geadelt durch den Begriff „Herstellung einen neuen Arzneimittels“ und  die Aufnahme in die ApBetrO.

Von der ehemals proklamierten Service-Leistung, die heute, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, unter dem Begriff „Medi­cation Therapy Management“, „Patienten-orien­tierte Pharmazie“, oder einfach „Medikationsmanagement“ wieder auflebt, ist aktuell nur wenig übrig ge­blieben: Die gewissenhafte Überprüfung von Medikationslisten und die Beratung/­Be­treuung von Patient, Arzt und Pflege ist aufwendig, wenig öffentlichkeits­wirk­sam und wird (von Pilot­pro­jekten abgesehen) auch nicht bezahlt. Selbst die letztendlichen Nutznießer, die Kran­ken­kassen, präferieren eher kurzfristige Rabatte als dauerhafte Compliance-Verbesse­rungen. Und ein Medikationscheck, die klassische Aufgabe eines Apothekers, wird gemäß jüngsten Vereinbarungen eher einem Arzt als einem Apotheker bezahlt! Nicht verwunderlich, dass der Elan der Apotheker schwindet – wobei die Apotheker nicht ganz schuldlos an ihrer eigenen Misere sind.

Mit der 2004 eingeführten packungsbezogenen Apothekenleistungsbemessung  wurde offensichtlich, dass primär die über den HV-Tisch ge­reich­te Packung zählt. Der nivellierende Service ‚Beratung‘ wird zwar immer wieder mit hee­ren Worten ver­kündet und in der neuen ApBetrO festgezurrt, aber genauso regelmäßig als un­zu­länglich er­fahren: unter der alles erschlagenden Packungsvergütung stirbt die Beratung einen langsamen Tod. Denn die punktu­elle Be­ratung zur Einzel-Packung ist für den wirklich beratungs­bedürftigen Patient oft nicht ausreichend, wäh­rend dieselbe Beratung den Wiederholungskäufer nervt.

Mit der Verblisterung hat der Apotheker unbestritten die beste Datengrundlage, eine eingehende, effek­tive und effiziente Beratung anbieten zu können: aber von der Kasse eine direkte Vergütung für den Zusatzservice ‚Verblisterung‘ erwarten zu wollen, ist heute vermes­sen bis unmöglich – denn faktisch zahlt ja die Kasse für die Abgabe der verordneten Packung!

Andererseits stellen wir fest, dass Heime zuneh­mend bereit sind, für die Serviceleistung des Blisters zu bezahlen, wenn, und das ist der springende Punkt, das Heim einen eigenständigen Vorteil und Nutzen ableiten kann: die Zahlen der MDK-Prüfung von Heimen mit Ver­blis­te­rung sprechen hier eine deutliche Sprache. Es gibt bereits Erstattungsbeträge von ca. 5 EUR/­Pa­tient/­Woche für eine Apotheke, die genau auf die Bedürfnisse des Heimes eingeht – und dauerhaft einhält.

Jahrelang wurde den Verblisterern doch vorgehalten, dass durch die Auslagerung des Stellens an die Apo­theke der Stellenplan im Heim und die Höhe der monatlichen Erstattungs­leistung gefährdet wären.

Aber die Argumentation dreht sich gerade um 180°: die Kosten der Verblisterung durch die Apotheke wird von einigen Häusern/Trägern bewusst auf den Tisch gelegt und in die Ver­handlungsmasse mit den Kostenträgern eingebracht – und letztere erkennen diese Kosten zunehmend an, wenn sich die Qualität der Versorgung dadurch hebt bzw. auf hohem Niveau bleibt.

Damit honorieren die Kostenträger nicht die Her­stellung des Blisters, sondern die aus dem Blister er­wachsende Service­leistung, Beratung und Qualitätss­teige­rung. Bezahlt wird an den, der den Service der Apo­theke (und deren Rech­nung) ent­gegennimmt und der Kasse nach­weist. Eigentlich logisch.

Der ambulante Bereich (z.B. Pflege­dienst) wartet ebenfalls auf eine intelligente Lösung für die direkte Kooperation mit der Apotheke (Vorschlag: analog zum Pflegeheim) als auch für die Serviceleistung ‚Sicherheit bei der Medi­kamentenvergabe‘.

Zahlen aus Deutschland belegen die hohe Wirtschaftlichkeit des Blisters!

Zahlen aus deutschen Studien, wissenschaftlich begleitet, belegen nunmehr überdeutlich, dass der Einsatz von Wochenblistern eine wirtschaftlich nicht mehr zu übersehende Bedeutung erhält.

Um sich die Bedeutung dieser Zahlen (siehe Artikel aus der Ärzte-Zeitung) einmal klar zu werden: Hochgerechnet allein auf die ca. 750.000 Pflegeheimplätze in D ergäbe dies eine gigantische Zahl von ca. 1,27 Milliarden EUR an Einsparungen für die Krankenkassen – die Einsparungen an Arzneimitteln noch nicht mal berücksichtigt! Auch wenn sich nicht alles so materialisieren würde wie berechnet: die deutschen Krankenkassen verzichten auf einen 7-stelligen Betrag! Und dies bereits OHNE Berücksichtigung der ca. 1,7 Mio. Pflegefälle, die zuhause versorgt werden!
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Aber in Deutschland zählt das ja alles nichts: die ABDA mauert seit dem Jahr 2001 gegen den Blister, die Kassen beschäftigen sich und andere mit immer neuen Rabattvertrag-Ideen, und falsch-verstandene Gentlemen-Agreements in diesen Etagen blockieren sogar die besten Ergebnisse.
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Und die Politik schaut interessiert und/oder ernüchtert zu.
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Apotheker plus, 27.05.2011 05:00
Einspareffekte des Wochenblisters erstmals in Zahlen
(cw). Höhere Therapietreue und Einsparungen stationärer Be­handlungskosten – so lauten die Erwartungen an die patientenindividuelle Medikamentenverblisterung. Mitte Mai wurden Resultate mehrerer Modell­projekte vorgestellt. Erstmals lassen sich damit die Effekte der Verbliste­rung auch unter deutschen Verhältnissen konkret beziffern.
Ausgewertet wurde das Projekt der AOK Nordost und des Blisterpioniers 7×4 Pharma vom Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fach­bereich Chemie & Pharmazie der Universität Münster. Demnach gingen die Krankenhausaufenthalte während der ersten sechs Monate nach Umstellung auf den Wochenblister um 27 Prozent zurück. An dem Feldversuch nahmen mehr als 500 Bewohner von Pflegeheimen teil.
Bei unterstellten Kosten von 500 Euro pro Krankenhaustag, so rechnet 7×4 vor, spare die Kasse pro Jahr und Patient 2038 Euro. Abzüglich der Ausgaben für den Wochenblister (275 Euro p.a. für Herstellung, Logistik und Apothekerhonorar) ergeben sich knapp 34 Euro, die jeder Wochenblister der Kasse erspart. Durch geringeren Verwurf reduzieren sich die Arzneimittelausgaben zusätzlich um rund zehn Prozent.
Zahlen in ähnlicher Größenordnung präsentierte kürzlich auch der Ge­sund­heitsökonom Professor Günter Neubauer, der einen Feldversuch der AOK Bayern mit zehn Apotheken, 20 Heimen und 580 Patienten evaluiert hat.
Unterm Strich saldiert Neubauer Minderausgaben je Wochenblister von 30,30 Euro. Zusätzlich ergeben sich wirtschaftliche Vorteile für die Pflege­heime, bei 100 Patienten etwa 500 Euro pro Woche. Dem Apotheker werden in diesem Modell pro Wochenblister brutto 6,10 Euro zugestanden sowie Herstellkosten von 3,00 bis 4,80 Euro.
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Was kostet der Blister mit eigenem Automat?

Noch einmal zu Dr. Herzog, der kürzlich die Frage „Wann rechnet sich wirtschaftlich der Einstieg“, in seinem Artikel in der „Heimversorgung“ diskutiert[1]. Im beiliegenden Excel-Sheet sind auch einige Berechnungen zum Thema „Automat“ eingepflegt; die Investitionsrechnung Verblisterung ergibt recht eindrucksvolle Relationen:

  1. Die Zahlen zur Gerätebeschaffung sind Standard-Zahlen ohne Berücksichtigung von Rabatten (oder die Möglichkeit von Gebrauchtgeräten in Betracht zu ziehen); die Umbaukosten gemäß den neuen Anforderungen der ApoBetrO sind sicherlich in einem weiter Streufeld zu sehen, je nach Vorausstattung der Apotheke/des Verblisterungs-raumes.
  2. Auch wenn ich die Anzahl von Personalstunden pro 1000 Blister als niedrig und erst mit Erreichen eines ’steady state‘ als realistisch ansehe: die Verdreifachung der vorgesehenen Arbeitsstunden bringt im vorliegenden Modell lediglich eine Erhöhung von 6% der Gesamtkosten pro Blister.
  3. Dies erklärt teilweise auch, dass am eigenen Automaten die halben Tabletten, welche manuell über Trays vorgestellt werden müssen, die Gesamt-Rentabilität weniger „stören“, solange die Gesamtzahl der gefertigten Blister hoch genug ist.
  4. Werden allerdings die Zahlen zur Auslastung verändert, treten die Änderungen deutlich zu Tage: werden statt (geplanter) 50.000 Blister nur 40.000 gefertigt, so steigen die Kosten für einen Wochenblister um ca. 24%, d.h. im vorliegenden Falle sogar überproportional an!
  5. Daher die Aussage: der Blisterautomat lohnt sich erst an der Auslastungsgrenze, und dies liegt in der Regel bei ca. 1200-1800 Patienten, je nach Automat, Laufzeit und Reinigungsvorgaben. Interessant sind dann auch die berechneten Kosten/Blister an der Auslastungsgrenze!
  6. Mit den vorgegebenen Zahlen (CAVE bei den Personalstunden!) rechnet sich der Automaten-Blister bereits bei rund 600 Heimbewohnern – allerdings nur im Vergleich zum manuellen Stellen von ca. 4 – 5 EUR/Blister/Woche! Blisterzentren verlangen dagegen ca. 3,50 EUR – hier müssen wir aber genau aufschlüsseln, welche Arbeiten wie und wo anfallen: so einfach lassen sich die Zahlen nicht vergleichen (dazu mehr in den Schulungen).

Was kostet der manuell hergestellte Blister?

Die Frage „Wann rechnet sich wirtschaftlich der Einstieg“ wurde kürzlich von Dr. Herzog, Tübingen, in seinem Artikel in der „Heimversorgung“ erneut berechnet und diskutiert[1]. Um es vorwegzunehmen, die Frage wurde so nicht beantwortet, aber es wurden ein paar sehr interessante Einzelfakten aufgeführt bzw. Erfahrungen aus anderen Erhebungen be-stätigt.

  1. Schon die prinzipielle Frage „patientenindividuelle Belieferung oder klassische Lieferung von Fertigpackungen?“ wurde lediglich rhetorisch gestellt; man darf jedoch aus der Einführung ableiten, dass es darum gar nicht mehr geht. Denn immer mehr Heime gehen dazu über, die Verblisterung als Standard einzufordern, wenn ein neuer/erneuerter Heimversorgungsvertrag zustande kommt.
  2. Leider lassen sich die Zahlen mit eigenen Erhebungen nur schlecht vergleichen: Dr. Herzog zielt auf die Anzahl verordneter „Aufträge“ ab, wohl die Anzahl verordneter Einzelpräparate. Das ist zwar für die Umsatz-Berechnung innerhalb der Apotheke sinnvoll; in der Regel wird jedoch der Umsatz und die Kosten an der Anzahl von versorgten Heimbewohnerplätzen definiert. Über den Umsatz wurde nun für den Vergleich mit 185 Heimplätzen weitergerechnet.
  3. Aus den beigefügten Zahlen zu „Stellen“ will ich herausgreifen: Das „Stellen“ für einen Patienten benötigt nach seiner Vorgabe 9,73 min/Woche und Bewohner. Ob hier auch Rezept- und Medikationsmanagement eingerechnet sind, kann ich nicht erkennen.
  4. Daraus ergeben sich Personalkosten von ca. 3,25 EUR/Bewohner und Woche – allein für das Stellen! Auslieferungen und Begehungen durch den Apotheker plus sonstige Kosten schlagen hier nochmals mit ca. 22% der Personalkosten auf, ergäbe dann ca. 3,95 EUR/Bewohner und Woche. Damit liegt Dr. Herzog sehr nahe bei veröffentlich-ten Werten zu Personalkosten beim manuellen Verblistern [2].
  5. Berücksichtigt man die Einrichtungs- und laufenden Kosten für die Blisterkarten von mind. 1 EUR/Bewohner und Woche, so kommt der manuell hergestellte Wochenblis-ter auf Gesamtkosten pro Bewohner und Woche von rund 5 EUR.
  6. Meiner Erfahrung nach sind dies gute Durchschnittszahlen: sicherlich lässt sich durch gute Organisation ca. 10% an Arbeitszeit einsparen, aber dann kostet der Blister immer noch 4,70 EUR.