Apothekertag 2010, München: Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung – Das ABDA/KBV-Konzept

Wie haben doch die Ohren der Verblisterer geklingelt, als sich ABDA und KBV zu einem „intelligenten Konzept, das nicht nur die Arzneimitteltherapie für die Patienten verbessert wird, sondern gleichzeitig auch noch Kosten zu sparen sind …“ zusammengefunden haben! Doch hat jemand das Wort „Verblisterung“ gehört? Nein, ich auch nicht – man bleibt im Ungefähren!

Ist nicht seit der Einführung der Verblisterung die Rede davon, dass der Apotheker, wenn er alle Rezepte eines Patienten inkl. seiner gespeicherten Freiwahl-Käufe vor sich sieht, den Kunden eingehender und präziser beraten kann? Dass der Apotheker seine (auch auf dem Apothekertag so gerne herbeigerufene) Profession als Heilberufler so zielgerichteter anwenden und umsetzen kann?

Es hat somit lange gedauert – die Tatsachen waren bekannt. Bereits in 2002 merkte Prof. Dr. Thomas Klie zum Leipziger Urteil an:

„Nun ist allgemein bekannt, dass es mit der Medikamentenverordnung durch die Ärzte und überhaupt mit der Medikation von Heimbewohnern unter fachlichen Gesichtspunk-ten nicht zum Besten steht. Häufig erfolgt eine nicht aufeinander abgestimmte Medika-mentenverordnung der Ärzte. Auch ist zu beklagen, dass vielfach falsche Dosierungen verordnet oder sogar Medikamente „indikationsfremd“ verschrieben werden. Legt man einmal die „Gelbe Liste“ hinter die Medikamentenverordnung und prüft die tatsächlichen Verordnungen auf ihre unerwünschten und inkompatiblen Wechselwirkungen, so sind die Ergebnisse erschreckend. Unterstrichen wird dies durch Erfahrungen, die in Deutschland mit aus Kanada importierten computergestützten Programmen gemacht werden, die systematisch die Verordnung von Medikamenten mit Hilfe der Gelben Liste prüfen. In einem erschreckend hohen Umfang kommt dabei Fehlmedikation zum Tragen.“

Es hat also weitere 8 Jahre gedauert, bis aus einem solchen Aufruf Konsequenzen gezogen werden.

Und alle Verantwortlichen wissen – oder müssten wissen, dass die Verblisterung genau diesen Themenkreis des Einbeziehens von Apothekern in die „Verantwortung für die Arzneimitteltherapiesicherheit und das Medikationsmanagement“ schon immer hervor gehoben hat – und dass der Blister lediglich das sichtbare Anzeichen all dieser Bemühung sein sollte, um auch noch bis hin  zum letzten Punkt in der Kette sicher zu stellen, dass die Medikamente, so wie sie der Apotheker „gestellt“ hat, auch eingenommen werden. Und dass Apotheker damit den entscheidenden Beitrag zur Adherence-Diskussion leisten!

Viele wollen dies bis heute nicht wahr haben.

Auch die ABDA hat sich bis zum Apothekertag 2010  konsequent verweigert. Es wird Zeit, dass die „Verantwortung für die Arzneimitteltherapiesicherheit und das Medikationsmanagement“ auch von Apothekerseite nicht nur angepriesen, sondern auch mit umgesetzt wird. Die „Tools“ zur Umsetzung sind da, sie sind eingeführt, sind (im Heim) akzeptiert und vom MDK gut geheißen: sie müssen nur aufgegriffen werden.

„Die Erfahrungen sind durchweg positiv.“

… aus dem Qualitätsbericht 2009 des AWO Bezirksverband Oberbayern e.V.:

Verblisterung von Medikamenten
Zwischenzeitlich werden in den meisten Seniorenzentren die Medikamente von den Apotheken bewohnerindividuell nach genauen Vorgaben durch den Arzt verpackt. Diese sog. Verblisterung erspart das tägliche Zusammenstellen der Medikamente durch die Fachkräfte. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Die freiwerdenden zeitlichen Ressourcen bei den Fachkräften kommen unmittelbar den Bewohnerinnen und Bewohner zu Gute. 2010 werden weitere Häuser auf die Medikamentenverblisterung umsteigen und entsprechende Verträge mit Apotheken schließen.

… aus dem QUALITÄTSBERICHT 2008 der MÜNCHENSTIFT GmbH:

Medikamentenverblisterung
Mittlerweile ist die Medikamentenversorgung auf allen Wohnbereichen im Haus St. Martin auf eine maschinelle Verblisterung umgestellt. Die Medikamente werden nicht wie bisher von Mitarbeitern der Apotheke im Bereich gestellt, sondern in der Apotheke maschinell in kleine Plastikbeutel eingeschweißt. Die Umstellung auf die Verblisterung führte zu einer Qualitätssteigerung, insbesondere, da die Bewohner durch die Beschrif-tung der Beutel ihre Medikamente selbst mitverfolgen und überwachen können.